On the Verge of Letting Go
On the Verge of Letting Go
2025
Vierkantstahl, Magnete, Spanngurte
About On the Verge of Letting Go
About On the Verge of Letting Go
„Das Sein ist immer schon ein Schweben, ein Zwischen, ein Berührt werden ohne Besitz. Es entfaltet sich nur im Moment des Halts und des Loslassens zugleich. Die Räume, die wir betreten, tragen die Spuren unserer Wahrnehmung, und wir tragen die Spuren der Räume in uns. So entstehen Augenblicke der Fragilität, der Aufmerksamkeit und des Staunens, in denen das, was uns hält, ebenso kostbar wird wie das, was wir bereit sind loszulassen.“ — Jean-Luc Nancy, La Déclosion, 2000
Jean-Luc Nancy beschreibt das Sein als einen Zustand des Schwebens, ein „Zwischen“, ein Berührt werden ohne Besitz, das sich nur im Moment des Halts und des Loslassens entfaltet. Die Räume, die wir betreten, tragen die Spuren unserer Wahrnehmung, und wir tragen die Spuren der Räume in uns – Momente der Fragilität, der Aufmerksamkeit und des Staunens, in denen das, was uns hält, ebenso kostbar wird wie das, was wir bereit sind loszulassen.
Diese Erfahrung wird in Justyna Janetzeks neuer Werkreihe On the Verge of Letting Go unmittelbar erfahrbar: ein poetisch-mystischer Zustand zwischen Kontrolle und Hingabe, Struktur und Intuition, der in der Site-Specific-Installation, eigens für die räumlichen Gegebenheiten der Sammlung Peters-Messer konzipiert, sinnlich erlebbar wird. Sich entfaltende und gehaltene Decken-Skulpturen, filigran balancierende Wandarbeiten und modulare Stahlobjekte reagieren auf Architektur, Lichtführung und Raumdimension und schaffen ein sensibles Gleichgewicht aus Kraft und Leichtigkeit, Präsenz und Schwebe.
Die Arbeiten thematisieren Neuorientierung und das Überschreiten von Konventionen, ein Ausbrechen, eine Befreiung. Sie eröffnen einen analytisch-psychologischen emotionalen Raum, in dem die Betrachter:innen die subtilen Übergänge zwischen Festhalten und Loslassen, Stabilität und Bewegung, Kontrolle und Hingabe unmittelbar nachspüren können. Hier wird Loslassen nicht als Verlust, sondern als Möglichkeit des Werdens erfahrbar – ein Prozess, in dem physische Präsenz, emotionale Resonanz und räumliche Wahrnehmung untrennbar miteinander verwoben sind.
Janetzeks konzeptueller Ansatz verknüpft Geometrie, Materialität und Wahrnehmung. Ihre Skulpturen hinterfragen die Gesetze der Schwerkraft, während ihre Zeichnungen die Wahrnehmung von Raum, Linie und Material erweitern. In der Gesamterfahrung entsteht ein poetischer, subtil irritierender Raum, der Momente von Aufmerksamkeit, Fragilität und Staunen eröffnet und den Schwebezustand zwischen Halten und Loslassen unmittelbar erfahrbar macht.
What Stays With Me
2025
Modulare Stahlskulptur
Vierkantstahl, Magnete, Glaskern

