NEXUM
St. Hubertus Kirche
Essen, 2025
poliertes Edelstahl
7,46m x 2,75m
About NEXUM
About NEXUM
Mit NEXUM entsteht an der straßenseitigen Giebelfläche der St. Hubertuskirche in Essen eine ortsbezogene Skulptur, die sich aus der Geschichte und der architektonischen Sprache des Gotteshauses entwickelt. Der lateinische Begriff Nexum bedeutet Verbindung, Verknüpfung oder Bindung und beschreibt damit den wesentlichen Gedanken der Arbeit: die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, Architektur und Skulptur, Natur und Spiritualität sowie Innen und Außen.
Ausgangspunkt ist das ehemalige Maßwerkfenster, das einst den Giebel der St. Hubertuskirche prägte und im Zweiten Weltkrieg verloren ging. Das historische Maßwerk wird in NEXUM nicht rekonstruiert, sondern in eine zeitgenössische plastische Form übersetzt. Die geometrische Ordnung des Fensters bildet den Ausgangspunkt für eine organische Transformation: Im zweiten Teil der Skulptur entwickeln sich die Streben zu einem stilisierten Hirschgeweih. Damit wird eine unmittelbare Verbindung zum heiligen Hubertus hergestellt, dessen zentrale ikonografische Legende mit der Erscheinung des Hirsches verbunden ist. Das Geweih wird zugleich zum Sinnbild von Wachstum, Wandlung und spiritueller Erkenntnis. Über diese symbolische Ebene eröffnet sich auch die Verbindung zum heiligen Rafael, dessen Bedeutung als Begleiter und Heiler mit den Vorstellungen von Schutz, Orientierung und geistiger Entwicklung korrespondiert.
Die Zweiteilung der Skulptur wird durch ihre räumliche Stellung verstärkt. Die beiden Elemente stehen in einem Winkel von 136 Grad zueinander. Dadurch entsteht eine komplexe, nicht auf eine einzige Ansicht festgelegte Form. Je nach Standort des Betrachters verändern sich Proportion, Überschneidung und räumliche Wirkung der beiden Teile. Die Skulptur fordert damit Bewegung und Wahrnehmung ein. Ihre Form erschließt sich nicht auf den ersten Blick, sondern entsteht erst im Wechsel der Perspektive. Der Winkel wird so selbst zum Ausdruck des Nexum: Zwei eigenständige Elemente treten in Beziehung und erzeugen durch ihre Verbindung eine neue Einheit.
Von besonderer Bedeutung ist die Wahl des polierten Edelstahls. Das Material steht zunächst für Dauerhaftigkeit, Präzision und Beständigkeit und setzt damit einen bewussten Kontrast zur historischen, steinernen Architektur der Kirche. Gleichzeitig besitzt der Edelstahl durch seine spiegelglatte Oberfläche eine nahezu immaterielle Qualität. Er reflektiert die Fassade der St. Hubertuskirche, den Himmel, das Licht und die vorbeiziehende Umgebung und macht damit den Ort selbst zu einem Bestandteil der Skulptur. Die Arbeit steht nicht einfach vor der Architektur, sondern nimmt sie in ihre Oberfläche auf.
Dadurch verändert sich NEXUM im Laufe des Tages kontinuierlich. Mit dem Wechsel von Morgen-, Mittags- und Abendlicht, mit Wetter, Wolken und Jahreszeit verändert sich auch das Erscheinungsbild der reflektierenden Oberfläche. Die Skulptur besitzt folglich keine endgültige, statische Erscheinung, sondern wird zu einem zeitabhängigen Bild. In diesem Aspekt findet sich eine zeitgenössische Weiterführung des verlorenen Maßwerkfensters: Wo einst das Licht durch eine architektonische Öffnung in den Kirchenraum trat, nimmt NEXUM heute Licht und Umgebung auf und reflektiert sie zurück.
Auch die Durchdringung von Wand und Skulptur besitzt eine symbolische Bedeutung. Das Geweih scheint aus der Architektur hervorzuwachsen und zugleich in sie zurückzuführen. Damit wird die Grenze zwischen Bauwerk und Kunstwerk bewusst aufgelöst. Das Motiv des Hirschgeweihs, das sich auch im Inneren der Kirche im Schlussstein wiederfindet, wird aus dem Kirchenraum nach außen geführt. Innen und Außen treten dadurch in einen visuellen Dialog; das historische Zeichen wird transformiert und erhält eine neue Präsenz.
NEXUM versteht sich somit nicht als Rekonstruktion des verlorenen Fensters, sondern als zeitgenössische Erinnerungsskulptur. Die Arbeit bewahrt nicht die konkrete Form des Vergangenen, sondern dessen Bedeutung und übersetzt sie in eine neue künstlerische Sprache. Maßwerk, Geweih, Edelstahl und Licht werden zu miteinander verbundenen Bedeutungsträgern. Die Skulptur macht sichtbar, dass Architektur nicht allein aus Materie besteht, sondern aus Erinnerung, Wahrnehmung und den Bedeutungen, die sich im Laufe der Zeit mit einem Ort verbinden. So wird NEXUM zu einem Zeichen für die fortwährende Verbindung von Geschichte und Gegenwart, von St. Hubertus und seiner Kirche, von Natur und Spiritualität – und schließlich von dem Sichtbaren mit dem, was über das Sichtbare hinausweist.
Entwurfssimulation

