Along the Line

Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Text zur Arbeit ALONG THE LINE

Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Text zur Arbeit ALONG THE LINE

Eine künstlerische Intervention und Installation im Atelierhaus Recklinghausen

Justyna Janetzek baut technische Konstruktionen. Diese sind bestimmt von rational nachvollziehbaren Prinzipien. Geraden, Winkel, Kreisformen – es ist ein durch und durch konstruktives Vokabularium. Und ihr Material ist ein technisches: Stahlrohr.

Für das Atelierhaus hat sie dieses Prinzip noch einmal radikalisiert. Hier hat sie in einem Baukasten gleichartige Elemente geschaffen, die sie für die weitere Verwendung zur Verfügung stellt. Dazu gibt es einen sorgfältig und detailliert erstellen Bauplan, der genau vorgibt, wie die Eisenrohre zusammenzufügen sind. Nur der Anfang mit dem ersten Rohr, das aus der Wand ragt, ist gesetzt. Wichtig dabei ist, dass kaum ein einzelner Besucher in der Lage ist, das zu bewerkstelligen. Denn immer wieder muss gehalten und gestützt werden, bis das vollendete Werk sich selbst hält. Zusammenarbeit ist unerlässlich.

Interessanterweise verstellen sich die Besucher und „Erbauer“ des Werks den Ausstellungsraum, der vor ihrer Aktion frei von jeglicher Behinderung war. Die Rohrkonstruktion durschneidet den Raum und beherrscht ihn zugleich. Es ist eine Art raumgreifender Barriere entstanden und der Ausstellungsraum verändert sich.

Das, was aber so konstruktiv-technisch sich ausnimmt erweist sich doch auch als höchst anspruchsvolles Spiel mit einfachsten Elementen.

Das beginnt schon mit dem Bauplan, der nicht nur Anleitung ist, sondern selbst schon Zeichnung eigenen Rechts, jenseits einer möglichen Zwecksetzung. Und so technisch die Elemente auch erscheinen, blau lackierte Stahlrohre, die sich ineinanderstecken lassen, so wenig erfüllen sie selbst wie auch das schließlich entstehende Gesamtgebilde die Erfordernisse an einen technischen Zweck. Das Konstrukt steht ganz für sich selbst. Es dient nicht einem Zweck – es ist in seiner Erscheinung selbst Zweck. Damit erfüllt es die Grundkriterien eines Kunstwerks, das allein der ästhetischen Betrachtung und Erkenntnis dient.

Und die Erkenntnis dieses überdimensionalen „Mikadospiels“ ist es, im Modus des Technischen und des Konstruktiven die Möglichkeiten des Ästhetischen vor Augen zu führen, im Technischen das Über-Technische zu offenbaren und unmittelbar körperlich in einer Art teilnehmenden Choreographie erfahrbar zu machen.

Atelierhaus Recklinghausen, 2017

7m Gewinderohr 1½‘‘
7mGewinderohr 1‘‘
1m x 60°
1m x 180°
1m 75°
Himmelblau 5015 ,
metallicgrau